Giftstoffe im Hausgarten

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Giftstoffe gibt es auch im Hausgarten. Selbst Obst- und Gemüse-Sorten, die auf unserem täglichen Speiseplan stehen sind nicht frei davon. 

Aber ...
"Dosis fecit venenum!" - die Dosis machts ob etwas giftig ist, wie schon Paracelsus meinte. 

Und ...
es ist auch die Zubereitung von Bedeutung (roh oder gekocht, ...)

Alles Leben ist Chemie!

Der Mensch ist ein Konglomerat aus Zellen, wobei jede einzelne eine kleine Welt für sich ist, in der ständig unzählige Stoffwechselprozesse ablaufen, die den Grundregeln von Chemie und Physik folgend, dafür sorgen, dass unser Körper gut funktioniert und seinen Aufgaben im Alltag nachkommen kann.

An den Grenzflächen der Zellen, den Zellmembranen, sitzen Rezeptoren („Torwarte“) die bestimmten Molekülen oder Strukturen (z.B. auch Viren) den Eintritt in die Zelle erlauben, ermöglichen oder auch verweigern. Als Erkennungsmerkmal (Visitenkarte) wirken dabei bestimmte  Molekülstrukturen an der Oberfläche, die entweder wie der Schlüssel ins Schloss passen und damit den Rezeptor zum Öffnen ermächtigen oder die nicht an den Rezeptor passen und damit auch keinen Eingang in die Zelle finden. Nur was in die Zelle eindringen kann, kann die Stoffwechselvorgänge in der Zelle dann auch beeinflussen. 

Jedes Nahrungsmittel, jede Medizin die wir zu uns nehmen wird erst durch unseren Verdauungsapparat grob und dann immer feiner zerkleinert, bis die Bestandteile jene Molekülgrösse erreicht haben, dass sie auch in die Zellen gelangen können, um hier umgebaut zu werden. Diese Vorgänge ermöglichen, dass wir durch unsere Nahrung unsere Körperzellen immer wieder erneuern, wachsen können und dass wir die Energie erhalten, damit die ganzen Stoffwechselprozesse im Körper auch am Laufen gehalten werden können. 

Der Mensch ist kein Perpetuum mobile.
Nur von Luft, Licht und Liebe allein können wir leider nicht leben. 

Unsere wichtigsten „Rohstofflieferanten“, die uns Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe, ... liefern, sind hauptsächlich Pflanzen, aber auch Tiere.

Die Pflanzen und Tiere wollen aber auch nicht nur verspeist werden und daher schützen sie sich vor Frasfeinden mit „Giftstoffen“, die diesen nicht gut bekommen und damit künftig vom Speisezettel gestrichen werden. Somit können sich diese Pflanzen und Tiere wieder vermehren und vor dem Aussterben schützen.
Aber diese Dinge beruhen einfach auf chemischen Mechanismen.

Auch Pflanzen im Hausgarten sind nicht frei von solchen „Giftstoffen“.

Wenn zum Beispiel Gurken - und die sind ohnehin etwas "launische Diven" - unter Stress geraten (Bedrohung durch Trockenheit, Pilze, ...) dann bilden sie mehr von den bitteren Curcubitacinen als Frasschutz, damit sie wenigstens nicht auch noch gefressen werden und so eine Chance erhalten, damit zumindest ein paar Samen den Fortbestand sichern.

Worauf solltest Du im Hausgarten oder beim Wildkräutersammeln aufpassen?

Glücklicherweise gibt es in unserer Gegend ja nicht so viele extrem giftige Pflanzen, dennoch höre und lese ich aber immer wieder von Fällen, wo Menschen sich auch mit regionalen Pflanzen Vergiftungserscheinungen zuziehen. Ja selbst mit Pflanzen aus dem Hausgarten! Das passiert einerseits durch Unkenntnis beim Bestimmen, durch Unwissenheit über mögliche Inhaltsstoffe und andererseits durch falsche Zubereitung.

Einige wichtige Grundregeln!

  • Sammle und iss nur Pflanzen, bei deren Bestimmung Du Dir sicher bist!
  • Säubere das Sammelgut ordentlich (Bandwurm, Umweltgifte)!
  • Bereite das Sammelgut „richtig“ zu!
    Manche Obst- und Gemüse-Sorten werden erst durch entsprechende Zubereitung für uns Menschen verträglich.

Pflanze & Giftstoff

Vergiftung

Was ist zu beachten?

Gurke, Zucchini, Kürbise

(Kürbisgewächse)

Curcubitacine

Geschmack: sehr bitter
Wirkung: Bauchkrämpfe, Durchfall, 
Übelkeit, Erbrechen

Bleiben beim Kochen im Gemüse! 
Sie sind hitzebeständig und kaum wasserlöslich

Holler

(Moschuskrautgewächse)

Blausäureglykoside (Sambunigrin)

Beim Verzehr roher Beeren wird Blausäure freigesetzt!

Effekt: Übelkeit, Erbrechen
In hohen Dosierungen ersticken bei intakter Atmung!

Holler-Beeren immer erhitzen/kochen!
Die Blausäure verdampft bei 38°C.

Borretsch

(Raublattgewächse)

Pyrrolizidinalkaloide (PAs)

Ganze Pflanze 

PAs können in hohen Dosierungen Leber und Nieren schädigen, sollten deshalb nicht zu häufig konsumiert werden

Fisolen

(Hülsenfrüchte)

Phasine (Lektine)

Kopfschmrzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

Phasin bewirkt im menschlichen Körper ein Zusammenkleben der roten Blutkörperchen. 

In der rohen Pflanze sind für Menschen giftige Lektine enthalten.
Kochen zerstört die Phasine!

Kartoffel

Tomaten

(Nachtschattengewächse)

Alkaloide
(Erdäpfel - Solanin)
(Paradeiser - Tomatin)

Bei der Kartoffel sind die Beeren, Keime und ´Keimlinge giftig.

Effekt: wie Atropin-Vergiftung - weite Pupillen, Mundtrockenheit, heiße Haut, Herzklopfen, Magen-/Darm-Beschwerden, 

Bei Kartoffeln Keimlinge und grüne Stellen  immer sorgfältig entfernen. 
Auch bei Tomaten! Unreife Tomaten und Teile der Pflanze sollten weder roh noch gekocht gegessen werden. Ausnahmen sind lediglich grüne Sorten!

Hier noch ein paar Pflanzen, die Du häufiger auch in Österreich findest und die teilweise hochiftig sind!
(+) - keine wesentliche Giftigkeit bis +++ hochgiftig!

Über die Autorin

Dr. Gabi Peham - Ärztin für Allgemeinmedizin - Akupunktur, TCM, Phytotherapie, Aromakunde

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